Der neue Protektionismus: eine Herausforderung für den Liberalismus

Der klassische Liberalismus positionierte sich kosmopolitisch. Das folgte aus seinem Universalismus. Die Freiheit des Einzelnen machte für ihn nicht an den Grenzen der Kulturen und Staaten halt, denn diese sind für den Liberalen stets nur historische Grenzen. Sie sind zwar wichtige Meilensteine der Menschheitsgeschichte, aber sie allein genügen nicht, um den Menschen volle Freiheit zu bringen. Sie können immer nur einen gewissen Teil der Menschheit einbeziehen. Der Liberalismus aber, soweit er politisch denkt, nimmt immer die ganze Menschheit in seinen Blick. Ludwig von Mises sprach in Anlehnung an die religiöse Vorstellung von einer geeinten Menschheit als christlicher Ökumene von einer liberalen Ökumene, einer geeinten Welt, in der alle Menschen die größtmögliche Freiheit genießen würden:

„Als letztes Ideal schwebt dabei immer der Gedanke einer vollständigen Kooperation der ganzen Menschheit vor, die sich friedlich und ohne Reibungen abwickelt. Das Denken des Liberalen hat immer das Ganze der Menschheit im Auge und nicht nur Teile, es haftet nicht an engen Gruppen, es endet nicht an den Grenzen des Dorfes, der Landschaft, des Staates und des Erdteils. Es ist ein kosmopolitisches, ein ökumenisches Denken, ein Denken, das alle Menschen und die ganze Erde umspannt. Der Liberalismus ist in diesem Sinne Humanismus, der Liberale Weltbürger, Kosmopolit.“

Ludwig von Mises, Liberalismus, 1927, S. 93.

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Joseph Stiglitz und die Schatten der Globalisierung

Das Problem, die ärmsten Regionen der Welt aus der Armut zu befreien, war für die klassisch Liberalen stets eines der marktwirtschaftlichen Integration dieser Regionen in den Welthandel. Die Idee war einfach und bestechend: Je stärker sich diese Gesellschaften an dem internationalen Handel beteiligen würden, desto schneller wären sie in der Lage, zu den industrialisierten Staaten aufschließen, ihre Lücke in der Befriedigung globaler Kundenbedürfnisse zu finden, um mit diesem neu gewonnenen Wohlstand einen funktionierenden Sozialstaat mit prosperierenden öffentlichen Gütern finanzieren zu können. Damit wären Schulen für die bisher nicht alphabetisierten Kinder vorhanden, durch ein umfassendes Gesundheitssystem wären Seuchen, schwere Krankheiten und die hohe Kindersterblichkeit sofort besiegt und die Altersarmut sowie die Überpopulation wären eingedämmt. Doch obwohl die Zölle weltweit stark zurückgegangen sind, viele afrikanische Staaten Privatunternehmertum und eine freie Preisbildung zulassen, lässt das Wirtschaftswunder, von dem die Liberalen in der dritten Welt träumten, auf sich warten. Das Vorbild für den erwarteten schnellen und ad hoc geschehenden wirtschaftlichen Aufstieg bildeten Deutschland, die USA und Japan nach dem zweiten Weltkrieg oder der rasante Wohlstandsgewinn der sogenannten TIGER-Staaten seit den 1970er Jahren. Warum gelang eine solche Entwicklung in Afrika trotz der Liberalisierungen jedoch nicht?

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