Der neue Protektionismus: eine Herausforderung für den Liberalismus

Der klassische Liberalismus positionierte sich kosmopolitisch. Das folgte aus seinem Universalismus. Die Freiheit des Einzelnen machte für ihn nicht an den Grenzen der Kulturen und Staaten halt, denn diese sind für den Liberalen stets nur historische Grenzen. Sie sind zwar wichtige Meilensteine der Menschheitsgeschichte, aber sie allein genügen nicht, um den Menschen volle Freiheit zu bringen. Sie können immer nur einen gewissen Teil der Menschheit einbeziehen. Der Liberalismus aber, soweit er politisch denkt, nimmt immer die ganze Menschheit in seinen Blick. Ludwig von Mises sprach in Anlehnung an die religiöse Vorstellung von einer geeinten Menschheit als christlicher Ökumene von einer liberalen Ökumene, einer geeinten Welt, in der alle Menschen die größtmögliche Freiheit genießen würden:

„Als letztes Ideal schwebt dabei immer der Gedanke einer vollständigen Kooperation der ganzen Menschheit vor, die sich friedlich und ohne Reibungen abwickelt. Das Denken des Liberalen hat immer das Ganze der Menschheit im Auge und nicht nur Teile, es haftet nicht an engen Gruppen, es endet nicht an den Grenzen des Dorfes, der Landschaft, des Staates und des Erdteils. Es ist ein kosmopolitisches, ein ökumenisches Denken, ein Denken, das alle Menschen und die ganze Erde umspannt. Der Liberalismus ist in diesem Sinne Humanismus, der Liberale Weltbürger, Kosmopolit.“

Ludwig von Mises, Liberalismus, 1927, S. 93.

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