Das Klima-Gericht hat getagt: #ökozid

Ökozid. Unsere Medienwelt nähert sich immer mehr dem Ideal einer Erziehungsanstalt für infantile Politikvermittlung an. Die Trennung aus Unterhaltung und Bildung ist vollkommen aufgelöst. Zum Schaden beider Bereiche. Die Unterhaltung wird in eine politisch korrekte Zwangsjacke gesteckt, die ihr jede Alltagsnähe, jede echte inhaltliche Verarbeitung, jeden Charme und jede Luft zur eigenen Entfaltung nimmt.

Die politische Bildung hingegen wird auf Grundschul-Niveau ständig unterschwellig in alle möglichen Formate verwandelt. Politik muss woke und cool sein: Politiker werden zum Späti geschickt, müssen sich von Kurt Krömer beleidigen lassen und beim Superfrauen-Talk-Triumvirat Anne Will/Maischberger/Illner kommen sie ganze 8,678 Minuten zu Wort, um die immer gleichen Phrasen ausstoßen zu dürfen.

Jede Form des echten, ungeschnittenen, durch tatsächliches Nachdenken in dem Moment entstandenen Dialogs ist unerwünscht. Alles ist geframed, zurechtgestutzt, auf Medientauglichkeit und Sagbarkeit geprüft, bevor es dem Zuschauer zugemutet wird.

Ein neuer Höhepunkt dieser Peinlichkeit war der Film „Ökozid“ in der ARD. In dem Film tagt im Jahr 2034 der Internationale Gerichtshof, um Deutschland für seine Klimasünden zu verklagen. Diese Form der Anklage als Medienspektakel hatte ich im Dezember letzten Jahres bereits vorhergesagt. Damals hatte Frau Neubauer gerade die Schlagzeilen mit der Einsicht bereichert, dass hauptsächlich Männer an der Klimakrise Schuld seien.

Ich hatte deshalb vorgeschlagen, alle Männer dieser Erde so lange in Untersuchungshaft zu sperren, bis ihre Unschuld bewiesen wäre.

Verständlicherweise war ich daher etwas enttäuscht, dass die ARD diesen, wie ich fand, äußerst vielversprechenden Ansatz ignorierte und stattdessen eine weinerliche Version von Angela Merkel vor den Klimagerichtshof der Zukunft stellte.

Frau Merkel (gespielt von Martina Eitner-Acheampong) musste nun statt der Männer herhalten und den Gang nach Canossa auf sich nehmen. Sie habe so viele Fehler gemacht, bekundet sie im Film. „Ich hätte mehr tun müssen“.

Der Film ist der naive Wunsch der Macher nach Selbstanklage und Sühne durch „künstlerische“ Verarbeitung ihres klimaaktivistischen Minderwertigkeitskomplexes. Nicht die Politik, nicht die Wirtschaft, der linksliberale Bürger selbst steht vor Gericht, weil er sich so schlecht fühlt, nichts gegen die Klima-Katastrophe tun zu können.

Dabei wollte er doch so gern. Aber weil er sich ohnmächtig und überfordert fühlt, schickt er die von ihm eigentlich geliebte Mutti der Nation auf die Anklagebank.

Noch peinlicher als der Film selbst war allerdings der Auftritt von Edgar Selge in der Diskussionsrunde bei Maischberger direkt im Anschluss an die Ausstrahlung von „Ökozid“. Dort präsentierte sich Selge als endlich aufgewachter Bürger der „Sündergeneration“, der durch die Arbeit an dem Film begriffen habe, wie sehr Wirtschaft und Politik „gegen das Klima arbeiten“.

Und wie es sich für die künstlerische Avantgarde eines Landes ziemt, zieht er nun selbstbewusst in den Kampf und hat nur böse Blicke für den Wirtschaftsminister Peter Altmaier übrig. Aber er versichert gleich, dass er das ja nicht persönlich meine. Es ist ja das System schuld.

Es hat nur gefehlt, dass er in guter alter Baader-Meinhof-Tradition vom „Schweinesystem“ gesprochen hätte. Bei Herrn Altmaier ein vielleicht von der Wirklichkeit sogar unterfütterter Begriff.

Bleibt am Ende eigentlich nur eine Frage übrig: Wer klärt Edgar Selge darüber auf, dass er den Richter in dem Film nur gespielt hat und dass Schauspieler in der Realität weder berufen noch in der Lage sind, politische Aussagen von Relevanz und Belang zu äußern?

Ich mach’s nicht, will ja keinen Shitstorm…

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