Endzeitsekten: Grün, naiv, selbstverliebt!

Endzeitsekten werden in unserer Zeit immer beliebter. Extinction Rebellion (XR), für die meisten Bürger in Deutschland immer noch so etwas wie der legitime Nachfolger der Kommune 1 für die Klimabewegung, wurde bereits von Jutta Dithfurt als „irrationale Endzeitsekte“ bezeichnet.

Nicht, dass ich mich sonst auf die politischen Einschätzungen von Jutta Dithfurth verlassen würde. Sie schrieb für die ZEIT, dass es eine „Rettung der Natur nur unter der Voraussetzung der Aufhebung des Privateigentums an den industriellen Produktionsmitteln geben“ könne.

Da kann man nur hoffen, dass Frau Dithfurth möglichst lange möglichst weit von dem Zugriff auf unsere industriellen Produktionsmittel entfernt bleibt. Für ihr politisches Gespür spricht derweil, dass sie den Rechtsruck unseres Landes bereits vor über 25 Jahren vorhersah, als sie mit dem Vorwurf der „Rechtsentwicklung“ bei den Grünen austrat, als diese 1991 das Rotationsprinzip ihrer Abgeordneten aufgaben.

Aber zurück zu den neuen Sekten der Naturverbundenheit. Meine gerade erst entdeckte Lieblingssekte in diesem Umfeld heißt: Living Gaia. Living Gaia ist ein „Projekt“ deutscher Auswanderer, die in Brasilien danach trachten ein, wie sie es nennen, „holistisches Heilungsbiotop“ zu errichten. Auf die Frage, warum gerade Brasilien eine ideale Umgebung für die Rückkehr zur Naturverbundenheit bereitstellt, antworten die Autoren der Webseite sachkundig:

„In Brasilien gibt es […] keine Tradition wie in Europa, wo man das Leiden kultiviert, um sich darüber zu spüren – stattdessen feiern die Menschen ohne Hemmungen die Freude des Lebens in Musik und Tanz. Der Körper ist wesentlich stärker belebt und hat keine vergleichbare Entwertung durch den Primat des Geistes erfahren. Brasilien ist das ideale Land für Living Gaia.“

https://www.living-gaia.org/was-ist-living-gaia-174.html

Dass der Körper der Brasilianer, gerade der Frauen, beim nächtlichen Tanz stärker belebt erscheint als der der deutscher Frauen, darin ist ja den Autoren durchaus zuzustimmen. Auch dass sich die Aktivisten wohl freiwillig für eine Entwertung ihrer eigenen geistigen Welt, ja geradezu für eine Abschaltung ihres kritischen Denkens entschieden haben, scheint offenkundig zu sein, aber was genau wollen diese deutschen körperbetonten Anti-Leidensaktivisten denn nun genau tun?

„Wir möchten essbare Landschaften mit Permakultur kultivieren. Eine Wasserretentionslandschaft soll zeigen, wie der Wasserkreislauf der Erde geheilt werden kann. Es wird Möglichkeiten zur Erholung und persönlichen Weiterentwicklung in unterschiedlicher Form geben. Der Ort bietet eine unmittelbare Erfahrungsmöglichkeit der lebendigen Erde, inspiriert durch Persönlichkeitsentwicklung, Tanz, Musik, Kunst, Ritual und Kontakt zu den Elementen, den Mineralien, den Pflanzen und den Tieren.“

Sie wollen also essbare Landschaften erzeugen. Das klingt für einen Genussmenschen wie mich erst einmal verführerisch. Essbare Landschaften kenne ich zwar nur aus der Bibel, wo Gott die Israeliten in ein Land führen will, in dem Milch und Honig fließen.

Oder man denke an das Schlaraffenland, in dem einem die schon gebratenen Tauben in den Mund fallen. Aber das kann hier nicht gemeint sein. Ob die Autoren eine Sporthalle errichten wollen, in welcher der käsige Geruch der ausgelatschten Turnschuhe als kulinarisches Erlebnis fehlgedeutet wird?

Und wer kennt ihn nicht, den lebhaften Kontakt zu den Mineralien, den wir früher einmal hatten. Ich kann mich noch an gute Gespräche erinnern. Leider waren sie recht einseitig.

Und leider hört sich der Rest des Programms auch nach einem wenig einfallsreichen Hippie-Abklatsch an. Nach dem Motto: Tanze, nimm Drogen und spüre die Erde unter deinen Füßen!

Das mag für 20-jährige Selbstfindungsbackpacker attraktiv sein, der 50 jährige Diabetes-II-Patient, der unbeweglich, übergewichtig und durch Heuschnupfen geplagt in Brasilien allein an der hohen Luftfeuchtigkeit verzweifelt, wird dieses Erlebnis wohl nicht als derart religiös erleuchtend empfinden.

Grüne Sekten sind daher altersdiskriminierend und nur für gesunde, wohlhabende, junge Männer und Frauen gedacht, die sich von ihrem Guru in Brasilien eine Sinnstiftung für ihr Leben versprechen. Ich will aber noch wissen, warum ich durch Living Gaia mit der ganzen Natur in Kontakt treten kann:

„Wir sehen die Erde als lebendiges Wesen, von dem wir gemeinsam mit allen Mitgeschöpfen und Seinsformen ein Teil sind. Wir können mit all diesen Mitgeschöpfen und Seinsformen kommunizieren, wenn wir uns darauf einlassen und gemeinsam nach neuen Formen des friedlichen und freudvollen Zusammenlebens Ausschau halten. So wollen wir neue Lösungen und Formen des Miteinanders entwickeln und ausprobieren.“

Die Erde ist also ein lebendiges Wesen, soso. Die Steine, die Mineralien, die Erze, der Staub, alles ein Geschöpf, das fühlt und denkt? Nach den Sitzungen bei Living Gaia kann ich also sogar mit meiner Salzstange in Kontakt treten? Oder mit meiner Portion Spaghetti Carbonara und sie fragen, was sie gerade von der Politik Trumps hält?

Schließlich sollen wir alle gemeinsam nach einem friedlichen Miteinander Ausschau halten. Das wäre natürlich tatsächlich ein alter Menschheitstraum. Verwundert stellen die Aktivisten auf ihrer Webseite jedoch zu diesen Ideen fest:

„Für viele Menschen sind solche Gedanken leider vollkommen fremd.“

Ich würde sagen, nicht nur fremd, sondern offenkundig absurd, verrückt und Ergebnis einer Hirnerweichung. Aber, wenn Sie sich je wieder in ihrer Großstadt unwohl fühlen, beginnen Sie einfach mal damit, ihre Umwelt neu wahrzunehmen und machen Sie die Pflastersteine auf Ihrem Heimweg zu Ihrer neuen, gesunden und 100% veganen, essbaren Landschaft, Guten Appetit!

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