„Die Klimakrise ist eine Krise, die von Männern verursacht wurde“

Klimakrise. Es gibt Interviews, die kann man sich nicht ausdenken. Auf der Suche nach der richtigen Haltung in diesen Tagen, nach Antworten auf die multiplen Krisen dieser Welt, las ich wieder einmal die tazamwochende.

Dort zog mich vor allem ein Interview mit meiner Lieblingsklimaaktivisten Luisa Neubauer, von #FFF, und der mir zuvor unbekannten Nike Mahlhaus, von „Ende Gelände“, in seinen Bann. Denn diese beiden Frauen erklärten mir endlich, worum es bei dem Klimaprotest wirklich geht.

Zuerst berichteten die beiden davon, wie hart und auszehrend das Aktivistendasein sei. Klar, jede Woche die selben Parolen brüllen, grimmige Gesichter schneiden und den noch übrig gebliebenen Berliner Verkehr lahmlegen, ist auf die Dauer sicher anstrengend.

Daher sei nach Luisa eine gewisse „Klimaerschöpfung“ bei ihren Fridays zu sehen. Aber natürlich sei das nichts Individuelles, keine bourgeoise Gemütlichkeitssehnsucht, sondern ein ganz normales verständliches Gruppenphänomen, ausgelöst durch die Bitterkeit der Umstände: „Ich nehme etwas wahr, was ich als kollektive Klimaerschöpfung beschreiben würde.“

Daraufhin fragte die investigative taz-Journalistin auch bei Mahlhaus nach, was sie denn gegen diese neue verschreibungspflichtige Krankheit tue?

Mahlhaus: „Wir haben dieses Jahr extrem viel erreicht. Aber ich stimme Luisa zu, es gibt jetzt diese Erschöpfung bei Fridays for Future. Das ist ganz klassisch, so ein Aktivismus-Burnout.“

Ja, ganz klassisch, wer kennt ihn nicht, den Aktivismus-Burnout? Wenn man mit 16 Jahren einfach schon zu viel gestreikt hat, so dass die Klassenbucheinträge mit einem Hilfszettel an die eigentlichen Buchseiten angeklebt werden müssen, die eigenen Eltern einen nur noch aus dem Fernsehen kennen und die Regierung einfach nicht auf einen hören will?

Da kann man schon ‚mal über einen vorzeitigen Ruhestand nachdenken, oder?

Natürlich nicht unsere beiden Power-Frauen. Die sind noch lange nicht mit ihrer Energie am Ende; stellen sich der Aktivismus-Depression. Denn es geht beim Klima eigentlich gar nicht um die Frage Mensch und Erde, so wurde ich endlich aufgeklärt, sondern eigentlich um Ausbeutung, um Männer gegen Frauen.

Ich zitiere Frau Neubauer wörtlich, um die heilige Botschaft nicht durch meine Zunge zu verderben:

„Die Klimakrise ist die Kumulation von multiplen Krisen auf der Welt. Sie ist größer als die Frage unserer steigenden Emissionen. Es geht um unsere imperiale Lebensweise, die neokoloniale Entwicklungszusammenarbeit. Die Klimakrise ist auch eine Krise, die von Männern verursacht wurde.“

Luisa Neubauer

Da haben wir des Pudels Kern. Endlich sagt’s mal Eine!

Wieder so eine blöde Krise, weil die Kerle auf der Welt sich nicht zusammenreißen konnten. Wie beim Ersten Weltkrieg, Zweiten Weltkrieg, beim Holocaust, AIDS, Trump, Kim Jong Un, Hunger in der Dritten Welt, schlechte Frauenwitze in James Bond Filmen, zu wenig Frauen-Toiletten im Kino, so dass die Männer einfach grinsend an der langen Schlange der an sich haltenden Frauen vorbei ans Pissoir laufen können.

Alles Männer-Krisen. Man könnte sagen, Männer sind eine einzige Krise. Riechen schlecht, reden Blödsinn, schaden dem Klima. Ich frage mich, warum wir dann nicht weitergehen und nicht mal radikaler denken?

Ist doch jetzt an der Zeit, so fünf nach Zwölf, wie ich gelernt habe?

Lösen wir die Klimakrise doch einfach, indem wir Männer pauschal in Untersuchungshaft sperren, so lange bis ihre Schuld an der Misere aufgeklärt ist. Die kommen dann vor den Internationalen Klimagerichtshof in Oslo.

Edit November 2020: Mittlerweile hat die ARD diese Vision tatsächlich verfilmt, unter dem Titel #ökozid. In dem Film wird Deutschland von den Ländern des „globalen Südens“ für seine Klimasünden verklagt. Meine Version fand ich allerdings vielversprechender.

Richterin ist Anna-Lena Baerbock und eine der Schöffinnen natürlich Greta. Eigentlich braucht man sie dort nur für einen Satz: „How dare you!“ Den kriegt dann jeder Mann einmal an den Kopf geworfen. Wär doch schön?

Nike (Mahlhaus, sie erinnern sich, die andere Frau) fügt dann noch eine weitere analytische Ebene zu diesem Problem hinzu:

Mahlhaus: „Wir wollen nicht immer nur Symptome bekämpfen. Warum denken denn so viele Leute, wir schaffen es nicht? Es liegt nicht daran, dass wir uns nicht genug anstrengen. Wir müssen nicht noch veganer werden oder Wattepads benutzen, die man wiederverwenden kann. Es gibt Gründe für die Klimakrise: Ein Kapitalismus, der auf fossilen Energien und auf Ausbeutung aufbaut – von Frauen, von Natur, von Menschen, des globalen Südens. Kapitalismus gab es nicht schon immer, und genauso kann er auch enden.“

Vor allem gibt es einEN Kapitalismus, wenn es schon nicht ein Kapitalismus gibt. Aber das ist typisch Mann. Wieder so ein patriarchales Grammatik-Mansplaining.

So nennt man herablassende Verbesserungen gegenüber Frauen. Frauen, die doch nichts für die Klimakrise können, aber sie jetzt, im Gegensatz zu den Männern, endlich mal anpacken, den CO2-Müll rausbringen; quasi Erd-Haushaltsarbeit leisten – unbezahlt, anstrengend und für Männer nicht mal ein lobendes Wort wert.

Und die Männer? Flüchten sich einfach in ihren blöden fossilen (und grenzdebilen) Kapitalismus. Den gab es nicht schon immer?

Stimmt, der ist knapp 200 Jahre alt. Gut, diese fallen mit den besten Lebensbedingungen für den Menschen zusammen, die es je gab, aber die kann man doch auch wieder beenden oder?

Die Hälfte der Erdenbewohner brauchen wir ja nicht mehr. Können weg. Da ist viel Ballast abzuwerfen. Ja, wenn die neuen Klimafrauen an der Macht sind, dann kann man(n) nicht mehr mit seiner unnötigen Technik spielen, weit um die Erde fliegen und den Afrikaner ausbeuten, wie er es heute so gern zu tun pflegt.

Aus die Maus, Ende Gelände, Schicht im Schacht, der Letzte macht das Licht aus. Interessant finde ich auch, dass man Afrika jetzt nur noch den „globalen Süden“ nennt. Ich frage mich, was ein nicht-globaler Süden ist? Und wo endet ein globaler Süden? Bei der Antarktis und geht er dann zum Nordpol über?

Aber all diese Fragen werden hinfortgeschwemmt von den Worten Luisas an ihre Kollegin Nike über „Ende Gelände“:

„Ich finde es beeindruckend, dass ihr euch mit so vielen Leuten auf etwas einigt. Ihr folgt Ghandi, Habermas, Böll, Arendt: Dass die Pflicht, Gesetze einzuhalten, von der Pflicht überwogen wird, gegen Ungerechtigkeit aufzubegehren.“

Luisa Neubauer

Na, bei solchen Worten steigen mir doch glatt Tränen in die Augen. Wer kann schon gegen Ghandi argumentieren? Aber selbst die taz-Journalistin ist erstaunt über so viel Eintracht und gegenseitige Bestätigung: „Ihr seid euch so einig“, wundert sie sich. Wie könnte es auch anders sein: waren ja keine Männer dabei, oder?

2 Gedanken zu „„Die Klimakrise ist eine Krise, die von Männern verursacht wurde““

  1. Was für eine Klimakrise?

    *Es gibt ein Klima auf der Erde. Dieses verändert sich seit Anbeginn der Existenz des Planeten wie es ihm durch multiple atmosphärische makro- und mikroskopische Situationen durch die Gesetze der Physik vorgegeben ist. Es gibt keine Sekunde auf dem Planeten, in der sich die Welt nicht klimatisch verändert.

    *Und es gibt eine Krise. Diese betrifft nicht die Erde sondern die Menschen, die sie bevölkern. Offenbar brauchen Menschen Krisen um sich wichtig zu nehmen. Auch, oder gerade weil sie es nicht sind. Krisen entstehen in den Köpfen. Ihr Nährboden ist mangelnde Bildung, Aberglaube und Profit-bzw. Karrieredenken.

    Aber eine Klimakrise gibt es nicht. Das ist ein Taschenspielertrick genauso wie der legistisch manipulative Klimanotstand. Ziel ist die totalitäre Umwandlung der Gesellschaft. Hat nichts mit Wissenschaft zu tun, aber viel mit Politik. Und noch mehr mit nützlichen Idioten.

    George Carlin: „The planet is fine, the people are f….ed!“

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