„Skylight“ im Schillertheater – ein Sittenbild der modernen Patchworkliebe

Skylight. Vor einigen Wochen saß ich wieder einmal im Schillertheater. Es ist ein nettes, recht großzügiges Theater am windigen und mittlerweile zur reinen Baustelle verkommenen Ernst-Reuter-Platz in Berlin. Vor der Wende war das Schillertheater der Stolz von Westberlin, so erzählt es mir meine Mutter immer mit glühenden Augen. Ein ganzes Ensemble war hier beschäftigt. Die … Read More

»Kaffee und Zigaretten« – Ferdinand von Schirachs neues Werk wirkt distanziert und leblos

Ich bekenne es. Ich bin ein großer Verehrer des Herrn Ferdinand von Schirach. Seine puristische Erzählweise, seine von allen Schnörkeln gereinigte Sprache, die manchmal quälende Genauigkeit, mit der er seinen Figuren nachgeht sowie der philosophisch-melancholische Grundton, in dem er seine Fälle rekonstruiert, haben mich in seinen Bann gezogen. Als besonders angenehm empfand ich die Offenheit seiner Texte, die es den Lesern selbst überlässt, die Moral aus seinen Geschichten herauszulesen. Sie trägt sie nicht oberlehrerhaft vor sich her. Diese Moral, die sich nicht in einfachen Imperativen erschöpfte, sondern die Komplexität der Welt durch das Erzählen von Geschichten spiegeln möchte, war ein großartiges Erlebnis. Diese Moral lautete, wenn man sie auf einen einzigen Satz kürzen wollte: Das Leben macht die Dinge kompliziert; wir können noch so schöne Moral- und Gerechtigkeitsgebote, Rechtsstatute und Lehrsysteme errichten, den echten Menschen mit seiner einzigartigen Lebensgeschichte werden sie nie ganz erschließen und sie werden ihm nie vollends gerecht werden.

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Jeder stirbt für sich allein

Es ist ein kalter Herbsttag, als sich Rudolf und Hanns auf jene Lichtung begeben, die sie für ihren Tod auserwählt haben. Die schon eisige Luft, die noch den Wind des Sommers atmet, fährt ihnen durch das Gesicht. Sie sind zu allem entschlossen. Sie stehen sich nun vor einer kleinen Parkbank direkt gegenüber. Sie nicken sich zu und entfernen sich je 25 Meter voneinander. Beide ziehen einen Revolver aus ihrem Mantel. Sie zählen bis drei, dann drücken sie ab.

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